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die festung

Frauen, Männer und Kinder aus Togo, aus Georgien, aus Kosovo oder aus Kolumbien strömen jede Woche in die Schweiz. Sie flüchten vor dem Krieg, der Diktatur, vor der Verfolgung oder vor klima- und wirtschaftlich bedingten Katastrophen. Nach einer meist lebensgefährlichen Reise landen sie in einem der fünf Empfangs- und Verfahrenszentren, zu denen auch das Zentrum in Vallorbe im Kanton Waadt zählt. An diesem nüchternen Übergangsort warten die Asylsuchenden quasi in Halbgefangenschaft und zum Nichtstun gezwungen darauf, dass der Bund über ihr Schicksal entscheidet. Sie werden von Männern und Frauen, ebenfalls mit unterschiedlicher Herkunft, in Empfang genommen und während ihres Aufenthalts betreut. Den Angestellten obliegt die schwere Aufgabe, eines der restriktivsten Asylgesetze von ganz Europa, das im September 2006 in einer Volksabstimmung angenommen worden ist, umzusetzen und allein auf der Basis von zwei Anhörungen zu entscheiden, ob ein Asylantrag gerechtfertigt ist oder nicht. Zwischen dem Personal und den Asylsuchenden werden Blicke ausgetauscht, mal wohlwollend, mal misstrauisch, mal fragend, mal ausweichend. Der Film beleuchtet eine Realität, in der Kultur- und Statusunterschiede – auf der einen Seite die EntscheidungsträgerInnen, auf der anderen die BittstellerInnen - zum Alltag gehören.

DIE FESTUNG / LA FORTERESSE lässt uns direkt in dieses tägliche “Aussortieren von menschlichen Wesen” eintauchen. Erst nach langen Verhandlungen mit den Behörden wurden die Filmaufnahmen in dem ehemaligen, heute mit Stacheldraht eingezäunten Luxushotel genehmigt. Noch nie zuvor konnte hinter diesen Mauern gefilmt werden. Vor Ort und mit grossem Respekt hält die Kamera Bruchstücke der Einzelschicksale und das rege Miteinander fest, beides prägend für das Leben im Auffangzentrum. Mit einer fast schon fiktiven narrativen Dichte erzählt der Film vom Schmerz, von der Unsicherheit und der Freude dieser Menschen. Frei von jeder Voreingenommenheit und mit viel Feingefühl wird den ZuschauerInnen ein Konzentrat menschlicher Schicksale gezeigt. Unvermeidlich wirft der Film die Frage auf, welche Beziehungen wir als StaatsbürgerInnen, mehr aber noch als menschliche Wesen untereinander haben.

DoKumentar - 2008 - Schweiz- 104’ - 35mm - 1 :1.66 - dolby SRD


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